Marianne Fieglhuber wird am 12. August 1886 in Wien geboren. Ihre Mutter, eine geborene Zifferer, stammt aus St. Pölten, ebenso ihr Vater, welcher als angesehener Kaufmann einen Gemischtwarenladen betreibt. Sie wächst zusammen mit drei Schwestern und einem Bruder auf und besucht die Bürgerschule im 6. Wiener Gemeindebezirk Mariahilf. Nach Abschluss der Schule soll sie im väterlichen Betrieb als Buchhalterin arbeiten, die Eltern akzeptieren aber ihren Wunsch Künstlerin zu werden und ermöglichen ihr das Studium an der Kunstschule für Frauen und Mädchen in Wien, welches sie 1904 beginnt. Diese 1897 gegründete Institution war die erste öffentlich Kunstschule für Frauen in Wien, welche sich davor lediglich privat in Malerei, Bildhauerei oder Graphik unterrichten lassen konnten. Sie lernt die Technik des Radierens bei Ludwig Michalek und tritt bald in den von Michaleks Schülerinnen gegründeten Radierklub Wiener Künstlerinnen ein. Im Verbund des Klubs beteiligt Sie sich an mehreren Ausstellungen. Ihre Radierungen werden in Wien, Salzburg und Leipzig gezeigt.

 

Die Malerei erlernt Marianne Fieglhuber bei Max Kurzweil, Robin Christian Andersen und Egge Sturm-Skrla. Zusätzlich bildet sie sich selbst künstlerisch fort und unternimmt Studienreisen nach Frankreich und Italien. Sie tritt der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs bei und beteiligt sich an deren Jahresausstellungen. Nach ihrer Heirat trägt sie den Doppelnamen Fieglhuber-Gutscher und bezieht mit ihrem Mann eine Wohnung in der Sandwirtgasse im 6. Wiener Gemeindebezirk, welche sie auch als Atelier nutzt. Bald darauf bricht der Erste Weltkrieg aus, ihr Mann wird eingezogen. 1915 wird die gemeinsame Tochter Marianne geboren, zwei Jahre später, 1917, der Sohn Eduard. Durch ihre familiären Verpflichtungen hat sie in der Zeit während des Krieges wenig Freiraum für ihr künstlerisches Schaffen. Dazu kommt, dass ihr Mann, welcher nie Verständnis für ihre Malerei hatte, stark verändert aus dem Krieg zurückkommt und ihre künstlerischen Ambitionen regelrecht ablehnt. Aus diesem Grund existieren nur wenige Bilder aus den 1920er Jahren. Es scheint jedoch, dass sie sich im Laufe der Jahre gegen ihn durchsetzen kann, denn es folgen wieder fruchtbarere Phasen in ihrem Schaffen. So stellt sie in den 1930er Jahren regelmäßig im Künstlerhaus und der Wiener Secession aus.

 

Durch die politischen Entwicklungen Ende der 1930er Jahre wird ihr Schaffen erneut negativ begünstigt. Marianne Fieglhuber-Gutscher steht dem durch die Nationalsozialisten durchgeführten „Anschluss“ Österreichs an das „Deutsche Reich“ kritisch gegenüber, nicht zuletzt da einige ihrer Freunde jüdischen Glaubens sind. Der Kundgebung Hitlers auf dem Heldenplatz 1938, wohnt sie nicht bei. Den Zweiten Weltkrieg verbringt sie mit ihrer Familie zunächst in der Wohnung in Wien, später dann im Zweitwohnsitz der Familie, einem kleinen Haus in Kasten bei Böheimkirchen. Nach Ende des Krieges wohnt sie wieder in der Wohnung im 6. Bezirk in Wien. Ab den 1950er Jahren pendelt sie zwischen Wien und Gratkorn bei Graz, wo ihre inzwischen verheiratete Tochter mit ihrer Familie lebt. 1956 bekommt sie ihren ersten und einzigen Auftrag für ein Werk im öffentlichen Raum. Für die Fassade der neu errichteten Wohnhausanlage in der Rechberggasse 16-20 im 10. Wiener Gemeindebezirk schafft sie das Mosaik „Familie“. Pläne für ein Glasfenster für das Zisterzienserstift in Rein kommen nicht zur Ausführung.

 

Nach dem Tod ihres Mannes beginnt für Marianne Fieglhuber-Gutscher gewissermaßen ein neues Leben. Sie nimmt an zahlreichen organisierten Studienreisen teil, die sie unter Anderem nach Spanien, Ägypten, Belgien, Holland, Schweden, Norwegen, Griechenland, Schottland und Finnland führen. Sie richtet sich ein weiteres Atelier bei ihrer Tochter nach Gratkorn ein. Nun ist endlich die Zeit gekommen, in der sie ohne Einschränkungen malen kann und sich der steten Weiterbildung ihres Geistes widmen kann indem sie liest und Musik hört. Sie tritt der Vereinigung Bildender Künstler Steiermarks bei, nimmt aber auch weiterhin am kulturellen Geschehen in Wien teil und stellt dort beispielsweise im Künstlerhaus aus. 1977 werden ihre Werke in der Österreichischen Galerie im Oberen Belvedere in Wien gezeigt. Marianne Fieglhuber-Gutscher stirbt am 20. Jänner 1978 92-jährig in Graz. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof in Kasten.

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